Chronik

Die TGS - Ein Traditionsverein für die ganze Familie

Auf dem Kalender war der 3. August 1895 angezeigt. Niemand vermag heute, nach über hundert Jahren, noch genau zu sagen, ob ein strahlend heller Sommersamstag oder ein mehr regnerischer Zeitabschnitt in Seligenstadt zu Ende gegangen war. 

Wohl aber berichtet die Chronik von stürmischen Zeitläufen, von bewegten industriellen Entwicklungen, so dass der damalige Oberhirte der Katholischen Kirche, der Papst, gar von "rerum movarum", von "neuen Dingen" schrieb und seine erste Sozialenzyklika, ein Weltrundschreiben, mit religiös-philosophischen Gedanken diesem Phänomen einer sozialen Revolution zuleibe rückte - die gesellschaftlichen Werte und ihre Wandlungen wurden nicht nur von ihm in Frage gestellt.

 

Längst waren allerorten am Main Schornsteine wie Riesen-Zeigefinger zum Himmel empor gewachsen, waren andererseits auch inzwischen die Folgen einer verheerenden Entwicklung zu zwei Bevölkerungshälften mit ganz vielen Armen und nur ganz wenigen Reichen etwas gemildert. Auch waren die Bismarckschen Sozialgesetze verabschiedet, es muckte die neu entstandene und unterprivilegierte soziale Schicht namens Proletariat immer lautstärker gegen Willkür, wirtschaftliche Unterdrückung und Ausbeutung auf.

Sicherlich waren die Menschen von damals im grauen Alltag nicht gerade erfüllt von großartigen, epochalen Ideen. Aber sobald sie nur ein bisschen mehr Zeit für sich erhielten, schlich sich jenes heitere Lächeln der Zufriedenheit in ihr Gesicht, wuchs in ihnen die Bereitschaft, diese selbsteroberte und frischgewonnene Freizeit mit anderen zu verbringen. Da war dieser Turnvater Jahn, der auf der Berliner Hasenheide zu allerlei Übungen für die Körperertüchtigung anregte und alsbald sprangen, hüpften, rannten, spreizten und drehten sich seine Jünger in ganz Deutschland frisch, fromm, fröhlich und frei!

Das erwies sich für die Männer als nützlich, die durch den Turnsport mehr Energie und Selbstsicherheit entwickeln konnten, freilich auch gut trainiert in die Exerzier- und Ordnungsübungen der Militärs gingen und damit nicht so schnell die Puste verloren. Es wäre jedoch falsch, die Übung von Disziplin und Körperbeherrschung als pure vormilitärische Ausbildung zu sehen.

Gesunder Geist in einem gesunden Körper- auch den Frauen bekam das Turnen ausgezeichnet, obwohl sie es wohl weniger für Küche, Keller und Kinderzimmer brauchten, wohl aber für die eigene Gesundheit.


 

So hingen die Motive für die damals entdeckte, neue Art von Bewegung solistisch, aber auch in Gruppen, in Gemeinschaften also, geradezu wie reife Früchte an den Bäumen, war der Weg geebnet für einen weiteren Turnverein in Seligenstadt - sollte man meinen.
Gerne hätte nun der Chronist darüber berichtet, wie innerlich bewegt, wie erfüllt und beseelt allein von Turnidealen die 44 Gründer an jenem ersten Augustsamstag anno 1895 waren, als sie dem Ruf in den "Schwanen" gefolgt waren. Doch nicht die Ideen des Turnvaters Jahn trieb sie zunächst dorthin, sondern vielmehr ein Seligenstädter namens Johann Giwitz, dessen Ehrgeiz wesentlich gekränkt war, weil man ihm einen entscheidenden Punkt zum Sieg in einem Leistungskampf verweigert hatte.

Voller verständlichem Zorn kehrte er deshalb der Turngemeinde von 1848 Seligenstadt den Rücken, bestärkt von Peter Marzellin Stadler und Matthias Weih. Auf diese Weise bekam die Turngemeinde von 1848 über Nacht eine jüngere Schwester, bei deren Geburt allerdings viele Gleichgesinnte dabei waren (Ähnliches geschah übrigens auch in so mancher Gemeinde bei den Gesangvereinen, die plötzlich lokale Konkurrenz erhielten).

Denn wie gesagt, die Tendenz zum gemeinschaftlichen Zusammenschluss war in den Menschen der damaligen Zeit ausgeprägt, während sie egoistisches Streben (noch) nicht kannten.

Deswegen sollte ihr Drang zu Gemeinsamkeiten nicht mit Notgemeinschaften in späteren Diktaturen verwechselt werden. Noch fegten Fernsehkrimis die Menschen nicht von den Strassen, trieb sie nicht aus Gaststätten oder anderen Versammlungs- und Begegnungsorten, wurde auf der Mattscheibe nicht vorgeführt, was angeblich erstrebenswert im menschlichen Leben sei. 

Insofern galten die Ideale der turnerischen Bewegung von Anfang der Gründung an auch für die Aktiven und die Mitgliedschaft der Turngesellschaft Seligenstadt. Wobei die Geselligkeit nicht zu kurz kam. Gleich nach der Gründung wurde die Geborgenheit der großen Vereinsfamilie gesucht.

 

Dafür waren die Menschen auch bereit, nennenswerte Opfer zu bringen. Am 10. August 1895 zahlten bereits 60 Mitglieder die Eintrittsgebühr von damals sage und schreibe einer Mark und hatten nun regelmäßig wöchentlich zehn Pfennige zu entrichten: Das war eigentlich schon die Zeche eines ganzen Abends, ein Opfergeist also, der sich dankenswerterweise bis heute in der Turngesellschaft erhalten hat.

Und weiter musste der Rubel rollen. Turngeräte wurden gekauft, es wurde für 155,46 Mark eine Gerätehalle erbaut und es entwickelten die Verantwortlichen aber auch gesunden Geschäftssinn bei der Geldbeschaffung: Zigarren wurden en Gros gekauft und an die Mitglieder verkauft - Sport und Nikotin ergänzten sich wenigstens auf diese, wenn auch ungesunde Weise.

Gründungspräsident war Christoph Geißler, ihm folgte bereits nach wenigen Monaten Valentin Kirschbaum und nach ihm Adam Burkart. Auch damals schon hatte die Vereinsführung immer ein offenes Ohr für die Anliegen der TGS-Mitglieder: Es wurde ein Kummerkasten eingerichtet für Kritik, Vorschläge und Lob, nach denen sich die Vereinsführung orientieren konnte.

Das Allerwichtigste: Es entwickelte sich ein reger Turnbetrieb und immer öfter mussten die Pferde vor den Wagen gespannt werden - in Ermangelung von Fahrrädern, Eisenbahnen und anderen Transportmitteln, um zu Turnfesten in der Nachbarschaft zu gelangen. Denn anders ging es nicht, wenn man nicht, wenn man nicht zu Fuß laufen wollte. Die ersten Siege und Preise wurden errungen.

Es waren stets lustige Fahrten, die an Unterhaltungswert gewannen, als der TGS-Spielmannszug aus der Taufe gehoben wurde und es fortan mit Trommeln und Pfeifen auf dem eigenen Vereinsplatz oder auf den Turnertrip ging. Groß-Welzheim erlebte 1896 den ersten Auftritt der TGS-Musiker außerhalb der Seligenstädter Stadtmauern.

Apropos Unterhaltung: Für Kurzweil mit Theaterabenden und ähnlichen gesellschaftlichen Veranstaltungen wurde reichlich gesorgt. Das beweist unter anderem der Programmzettel für eine "Theatralische Abendunterhaltung" vom 1. Januar 1907. Mit Gesang des Männerchores der bereits im Jahr 1900 gegründeten und bis Ende der dreißiger Jahre aktiven Gesangsriege, mit Solistinnen, vor allem aber auch mit Possen und ganzen Theaterstücken wie "Die schwarze Afra" oder "Zu dumm um zu feiern" ging es in das neue Jahr und anschließend wurde eifrig das Tanzbein geschwungen. Rauchen war schon damals "höflich verbeten". Das Ganze fand bereits im Saal des "Riesen statt". Es ging übrigens bis 3 Uhr in der Frühe.

Hinzu gesellten sich Fastnachtsfeiern, richtige Karnevalsumzüge gleich nach der Jahrhundertwende, mit Maskenbällen und närrischen Sitzungen.

Aber der ganz große Höhepunkt in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg war natürlich das Gauturnfest vom 4. bis 6. Juli 1903. Die Erinnerung daran sollte noch bis heute lebendig sein, nicht nur, weil der damalige Ehrenturnwart Johann Giwitz eine neue Fahne schwang. Übrigens eine heraldische Meisterleistung zum sündhaft teuren Preis von 540 Goldmark, vermerkt die Chronik. Die Fahne wurde in den Kriegswirren 1945 gestohlen und stark lädiert auf einem Müllplatz in Württemberg wiedergefunden: Von den Vereinsfrauen restauriert wurde sie 1970 wieder geweiht.

Seligenstadt erlebte ein glanzvolles Turnfest auf den Mainwiesen, jeder zweite Seligenstädter war dort zu finden, denn über 2100 Eintrittskarten bei damals 4000 Einwohnern wurden verkauft - die TGS hatte sich längst einen hervorragenden Platz in der Öffentlichkeit der alten Einhardstadt erobert.

Doch es fiel ein eisiger, besser: ein feuriger Reif in die laue Sommernacht: In der letzten Nacht des Festes brannte es in der Altstadt lichterloh - die bevorstehende Bürgermeisterwahl hatte damals wohl die Gemüter der Einwohner derart erregt, dass eine der Parteien, wird behauptet, aus Wut den "Roten Hahn" auf die Dächer gesetzt habe. Der riesigen Feuersbrunst fiel ein ganzer Straßenzug zum Opfer.


 

Damals schrieb sich einer der eifrigsten Turner in die TGS-Geschichte ein: Franz Kronenberger, jahrzehntelanger Träger der Vereinsfahne. Es waren erfolgreiche turnerische Zeiten. Sogar eine Damenriege wurde gebildet - in einer Epoche, da diese Art von aktiver Betätigung der Weiblichkeit außerhalb von Küche, Keller und Kinderstube vor allem von maskuliner Seite gar nicht gern gesehen wurde. Inzwischen war der Verein auf 250 Mitglieder angewachsen, richtete ein glanzvolles Gauturnfest aus, bei dem Fritz Brauneis, Erster Turnwart, den zweiten Platz als erfolgreichster Seligenstädter holte.

Das Wachsen und Werden des Vereins hielt unvermindert an. Eine Fuß- und eine Faustballabteilung wurden gegründet, allerlei Ballspiele wurden gepflegt. Doch das Unheil in der Welt nahm seinen Lauf. Bei der letzten Vereinsversammlung vor dem ersten Weltkrieg, am 3. August 1914, hatten 86 Mitglieder bereits den Einberufungsbefehl in der Tasche. 40 davon, jeder zweite also, kehrten nicht mehr zurück, "sind auf dem Feld der Ehre gefallen".

Ein hoher Preis dafür, dass "die ganz oben" einen Krieg begonnen hatten, wobei die Schuld daran wohl nicht nur dem "säbelrasselnden deutschen Kaiser Wilhelm" angelastet werden darf - den Engländern gefiel die wachsende deutsche See- und Kolonialmacht nicht, einschließlich dieses von den Briten verlangte "Made in Germany", das deutsche Waren erst richtig wertvoll machte. Die Franzosen suchten die Revanche für 70/71, der russische Zar sah in einem Krieg die willkommene Gelegenheit, von seinen innerpolitischen Schwierigkeiten abzulenken.

Die Folgen des verheerenden Krieges aber hatten die kleinen Leute zu bezahlen. Durch furchtbarer Schlachten wurde die Jugend der Völker dahingerafft. Und "ganz unten", bei der Turngesellschaft Seligenstadt, kam das Vereinsleben zum Erliegen. Der Sturz aus allen Träumen war so tief, dass 1919 sogar daran gedacht wurde, den Verein aufzulösen.

Doch tatkräftige Männer wie Anton Hain, Karl Funk, Johann Giwitz, wie auch Balthasar Winkler, Franz Schreiner, Max Beike, Jean Brauneis, Paul Friedmann, Josef Schreiner, Josef Rühl, Josef Biegel, Karl Krauß Michael Pfeil, Karl Spahn, Fritz Spahn, Franz Millitzer und andere, erwiesen sich als nimmermüde Motoren für den Fortbestand der TGS.

Die TGS blieb, wuchs, vergrößerte sich durch die Vereinigung mit dem Sportverein. Nun wurde auch geregelt Fußballgespielt, wurden 228 Mitglieder und 19 Jugendliche gezählt. Zwei Jahre nach dem Ende des furchtbaren Krieges war die TGS wie Phönix aus der Asche wieder auferstanden, feierte sie im August 1920 ihren 25. Geburtstag. 

Ein großes Ziel wurde angesteuert:

Ein eigenes Übungsgelände zu besitzen, nebst Unterkunft für Übung und Versammlung. In langwierigen, zähen Verhandlungen mit der Stadt konnte schließlich ein Teil des heutigen Geländes an der Graben- und Jahnstrasse erworben werden.

Bis dahin hatte das sportlerisch-turnerische Leben weitgehend auf fremdem Platz stattgefunden, gab es deswegen bereits damals Unstimmigkeiten mit anderen Vereinen was die Nutzung des "Riesen-Saales" anbetrifft.

Auch heute noch wetterleuchtet es in Seligenstadt gelegentlich etwas, seitdem die Fastnachtsabteilung ihre Narrensitzungen in den für alle offenstehenden "Riesen-Saal" verlegt hat, statt in der eigenen Großsporthalle zu bleiben, wo der umfangreiche Sportbetrieb stets für längere Zeit des Karnevals wegen in der Kampagne zum Erliegen kam.

1924 wurde der neue Turnplatz feierlich eingeweiht und am 28. Juni 1926 wurde schließlich die erste Vereinsturnhalle ihrer Bestimmung übergeben.

Ebenso wurde im selben Jahr das 25-jährige Jubiläum der durch die Initiative von Vincenz Link gegründeten Sangesabteilung gefeiert. Doch schon zuvor gab es große Erfolge:

Erster Präsident Fritz Brauneis kam im Juli 1923 vom Deutschen Turnfest in München als Turnfestsieger zurück. Und im Gegensatz zu heute prangte Seligenstadt damals im Fahnenschmuck ob der Erfolge ihrer Turner, die inzwischen nicht kleiner, aber "anonymer" geworden sind.

Vom Gauturnfest in Bergen kehrten 34 Seligenstädter als Sieger heim, in Hanau gab es sogar mehr als 40 erfolgreiche Teilnehmer aus der Einhardstadt. Doch das war nur der Anfang nach dem Wiederbeginn. Fritz Brauneis als Vorsitzender und Oberturnwart Robert Baer stellten die Weichen für den TGS-Express auf Erfolg. Fritz Kreis und Josef Winkler waren Sieger beim Deutschen Turnfest in Köln und es gesellten sich Hermann Beike und Valentin Spielmann zu den Erfolgreichen wie Fritz Beike und Valentin Voigt. Die Turngesellschaft wuchs unaufhaltsam weiter. 1928 wurde die Handballabteilung gegründet und die TGSler feierten die Einweihung der eigenen Kegelbahn. Im fertiggestellten Erweiterungsbau der Turnhalle wurde der Wirtschaftsbetrieb eröffnet. Der Name Jean Bodensohn sollte nicht unerwähnt bleiben, wenn von den beschwingten zwanziger Jahren der TGS die Rede ist. Mit Theateraufführungen, ganzen Operetten, Konzerten und dergleichen verdiente er sich viel Lob. Trotz gerade erfolgter Inflation, angespannter Wirtschaftslage mit einem Heer von Arbeitslosen verlor die TGS niemals den Blick nach vorn.

Allerdings wurde dieser Blick immer mehr eingeschränkt. der wachsende Einfluss der braunen Herrschaft in Deutschland war deutlich zu verspüren. Von 1933 an wurde bevormundet, gleichgeschaltet, mussten erhebliche Schwierigkeiten in Kauf genommen werden. Und es waren in erster Linie die älteren Turner, die den ideellen Gedanken frei nach Jahn verteidigten. Von den jüngeren waren kaum noch Mitglieder da - mehr als 80 von ihnen blieben tot auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges liegen. Wäre noch zu bemerken, dass Fritz Brauneis nach zweieinhalb Jahrzehnten sein Amt als Erster Vorsitzender an Fritz Sommer weitergab und zum Ehrenpräsidenten gewählt wurde.

"Wer hat dich, du schöner deutscher Wald, abgeholzt zu Fragebogen", spöttelten die Kabarettisten, als sie den Mund mir Erlaubnis der Alliierten Militärregierung und nach deren großangelegten Entnazifizierung einigermaßen wieder aufmachen durften. Ganz nebenbei die ketzerische Frage: Was wäre eigentlich passiert, wenn die TGS schon damals "American Football" als Abteilung hätte vorweisen können wie sie das 1991 konnte? In Verkennung der tatsächlichen deutschen Vereinsverhältnisse untersagten die Amerikaner zunächst alles, was nach Sport und dergleichen aussah, verboten sie die einschlägigen Vereine. Dann wurde für 10.000 Einwohner eine einzige Sportgemeinschaft zugelassen.

Geradezu naiv gingen die "Amis" mit der großen Tradition um, obwohl diese unter der Devise stand, nicht nur "frisch,  fromm, fröhlich und frei", sondern auch "friedlich und freiheitlich-demokratisch" zu sein. Denn 50 Jahre lang hatte die TGS ihre "Regierung" stets nach parlamentarischem Brauch gewählt, durfte jedes Mitglied frei und offen mitreden bei der Vereinspolitik. Im Februar 1946 entstand, wie erwähnt, eine Gemeinschaft aller Sportvereine, der vernünftigerweise, wie es der Chronist zum 75-jährigen Jubiläum, Dr. Hans Wurzel, ausgedrückt hat, "zwangsläufig zugestimmt wurde, um überhaupt wieder einen Sportbetrieb entfalten zu können".

1948 trennten sich als letzte Partner dieser unter dem Sternenbanner veranlassten Zwangsehe die Sportvereinigung und die Turngesellschaft in gutem, freundschaftlichem Einvernehmen. Es begann wieder der vereinseigene Sportbetrieb, wobei der Hunger oft der ständige Begleiter der Aktiven war. Jüngere Kräfte hatten inzwischen das Ruder des Vereinsschiffes übernommen: Franz Schreiner, zuvor schon zwanzig Jahre lang Rechner, Josef Anton Schreiner, Thomas Link, Fritz Sommer, Seppl Hardt, Max Beike, Adolf Thoma, Fritz Beike, Martin Mock, Hans Groh, Heinz Scherer, Hans Schreiner, Ferdinand Schreiner und Josef Schreiner als Turnwart und Spielmann.

Schon 1949 hatten die Aktiven der TGS wieder Siege im Abonnement errungen. 1949 waren es immerhin 75 qualifizierte Erfolge auf den verschiedenen Meisterschaftsebenen vom Kreis über den Bezirk bis hin zu Deutschen- und Landesmeisterschaften. Die Namen von Renata Schwarzkopf, Ludwig Bungert, Alfred Groh, Bruno Kimmel, Rudi Kronenberger, Manfred Hanika und Herbert Wurzel mögen hier stellvertretend für viele stehen.

Wer zählt die TGS-Siege, wer nennt alle Namen? 1957 gab es beispielsweise 80 erste, 69 zweite und 68 dritte Siege, darunter auch die zum Verein zurückgekehrte Deutsche Meisterin Renata Schwarzkopf, die den ersten Feldbergsieg für die TGS-Farben errang. Gymnastik, Leichtathletik, Tischtennis und Turnen waren inzwischen zu stark frequentierten Abteilungen des Vereins geworden, die vor allem jüngere Mitglieder anzogen. Doch auch eine Reihe von Problemen wirtschaftlicher und finanzieller Art brachten sie mit sich.

 

1960 wurde das Vereinsgebäude um einen Seitenanbau erweitert und zwei Wohnungen gebaut. 1962 wurde der neue Wirtschaftsbetrieb seiner Bestimmung übergeben. Die sechziger Jahre zählen bisher zu den erfolgreichsten der Vereinsgeschichte. Als Nachfolger des frühzeitig Verstorbenen Vorsitzenden Joachim Laube kam Erich Wurzel. Er sollte dem Vereinsleben der TGS neue Dimensionen eröffnen. Als er am Aschermittwoch des Jahres 1978 an seinem 50. Geburtstag starb, stand bereits die vorwiegend von ihm seit 1974 initiierte, neue Großsporthalle. 
Damals hatte die TGS bereits über 1000 Mitglieder und näherte sich langsam der 2000er-Marke.

Weitere Eckdaten der Vereinsgeschichte: 1974 richtete das Musikcorps der TGS das hessische Landestreffen der Turnermusiker aus, wurde die Handball-Abteilung neu gegründet, kamen die Abteilungen Basketball und Trampolin hinzu. 1979 nahm das TGS-Musikcorps an der Steuben-Parade in New York teil.

Die TGS-Expansion ging weiter mit Abteilungen, die inzwischen große Bedeutung erlangt haben, wie zum Beispiel der Amateur-Tanzsport, der Er & Sie Lauftreff. So gehörten der TGS nun bereits 1340 Mitglieder an.

Seit 1975 ist Reinhard Krauß der Erste Vereinsvorsitzende, also schon über 25 Jahre im Amt. Er darf für sich in Anspruch nehmen, die Probleme der TGS in seiner fast stillen, lautlosen Art zu lösen. Über all die Jahre begleiteten ihn junge, dynamische Vorstandsmitglieder wie Friedel Krauß, Heinrich Schlottner, Heribert Kühn, Hubert Hofmann und Klaus Fey, die auf Rat und Tat des Mitstreiters und heutigen Ehrenmitgliedes Ferdinand Schreiner jederzeit zurückgreifen konnten.

Ebenfalls seit mehr als 25 Jahren vermag Gerhard Beike als 2. Vorsitzender des sportlichen Bereiches immer mit zeitnahen Ideen, Impulsen und Aktivitäten aufzuwarten. Auch nicht selbstverständlich ist das Engagement der langjährigen Vorstandsmitglieder Karin Rosendahl, Günther Winkler und seit 1993 Uschi Pardon.

Hundert Jahre TGS, das sind 100 erfolgreiche Jahre in Sachen Turnen, Geselligkeit und Sport. Das sind inzwischen auch Blicke und Schritte über regionale oder nationale Grenzen, in viele Europäische Staaten, unter ihnen auch die ehemalige DDR, sowie nach Amerika. Mit viel Beifall und Sympathie wird das Auftreten von Seligenstädtern aller Generationen im In- und Ausland aufgenommen. Wohin sie auch kamen, haben sie ihrer alten Heimatstadt und Hort eines großen historischen und kulturellen Erbes Ehre gemacht.

Längst ist aus der rein Seligenstädter Vereinsfamilie, zu der auch heute noch heimische Juden wie die Kleeblatts zählen (noch gerne besucht der einstige Turner Kurt Kleeblatt die aus New York die alte Heimat und die Freunde), auch ein internationaler Treff für Ausländer, für ganze Gastarbeiterfamilien geworden. Heute, nach der Jahrtausendwende, können die Mitglieder und Freunde der TGS mit Fug und Recht sagen, sie hätten viele Tiefen und Höhen des 20. Jahrhunderts miterlebt, und das nicht immer nur aus der Froschperspektive:
Die zahlreichen Fahrten in die Ferne haben Blick und Verstehen der Weitgereisten geschärft und vertieft.

Seligenstadt darf stolz sein, diesen großen und großartigen Verein in seinen Mauern zu wissen. Gewiss sind auch heute noch nicht alle Probleme gelöst und es kommen durch den beachtlichen Mitgliederzuwachs weitere Aufgaben auf den Verein zu. Doch er hat eine reiche Vergangenheit als Erbe und Erfahrungsschatz, hat die Gegenwart bisher bravourös gemeistert und wesentliche Zeichen für die Zukunft gesetzt.

Chronist: Alf Heppner

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